FDP Oberallgäu

FDP Oberallgäu diskutiert über bezahlbaren Wohnraum im Allgäu

Wie kann in Oberallgäu kurz- und langfristig bezahlbarer Wohnraum entstehen? Dieser Frage ist der Kreisverband der Freien Demokraten im Rahmen einer Online-Veranstaltung mit Experten auf den Grund gegangen.

Martin Kaiser, Geschäftsführer des Sozial-Wirtschafts-Werks in Sonthofen führte dazu eingangs in die Arbeit eines sozial orientierten Wohnungsunternehmens ein und schilderte die aktuelle Situation im südlichen Landkreis: „Unsere Aufgabe als SWW ist es bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Unsere durchschnittlichen qm²-Preise liegen dabei knapp unter sechs Euro. Leider übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot. Pro Monat stehen in unseren Wohnungen ca. 20 Auszügen das Achtfache an Mietinteressenten gegenüber. Man kann im Oberallgäu durchaus von Mangel an günstigem Wohnraum sprechen, gegen den wir tagtäglich versuchen zu verbessern. Dabei setzen wir vor allem auf einen sozialraumorientierten Ansatz, um eine gute Durchmischung der Mieterklientel im Quartier zu erreichen und so Nachbarschaftshilfen zu fördern “, so Kaiser.

Einen entscheidenden Faktor für die hohen Mietpreise im Allgäu lägen nach einhelliger Ansicht der anwesenden Experten – u.a. Josef Geiger, Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes und Herbert Singer, Geschäftsführer Sozialbau Kempten – vor allem in den eklatanten Baukosten, verursacht durch viel Bürokratie.

„Mantelverordnung, Stellplatzverordnung, Schneelast und Brandschutz: wir haben ca. 18.000 Baunormen, die es Bauherren extrem schwierig machen, die Kosten niedrig zu halten. Was wir bräuchten wäre ein radikaler Kahlschlag der Baubürokratie. Auch der eigene Anspruch an die eigenen vier Wände steht einem günstigen Wohnen zumeist entgegen. In skandinavischen Ländern baut man um die Hälfte billiger bei einer deutlich höheren Eigentumsquote gerade auch in Bezug auf Normalverdiener als hierzulande. Dabei gibt es viel Potentiale, die es zu heben gelte. Sei es durch eine professionelle Beratung und Begleitung seitens der Planer und Fachplaner mit einem ganzheitlichen Verständnis und einer gemeinsamen Verantwortung oder einer proaktiven Moderation der Gemeinde, um z.B. kluges Nachverdichten im Bestand bei Erhalt und Stärkung unserer lebenswerten Ortskerne zu ermöglichen“, führte Andreas Geywitz – Architekt und Vorsitzender der FDP Immenstadt – dazu aus.In die gleiche Kerbe schlug der Landesvorsitzende der FDP Bayern sowie wohnungs-  und baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag Daniel Föst. Er übte scharfe Kritik an der Baupolitik der Bundesregierung. „Kürzlich hat der Innenminister einen Wohnungsgipfel abgehalten und sich dabei selbst gefeiert. Dabei tritt die GroKo bei der Wohnraumförderung gleichzeitig aufs Gas und die Bremse. Wir kommen nicht voran. Wir treten für eine verstärkte Subjektförderung ein, anstatt teure Sozialwohnungen zu bauen, die ja ohnehin nach einigen Jahren aus der Bindung fallen. Ca. 45% aller geförderten Wohnungen sind fehlbelegt. In den Ballungszentren kommen wir auch nicht an der Zurverfügungstellung von mehr Bauland vorbei.“ so der Abgeordnete. Ideen wie einer sogenannten Mietpreisbremse oder gar Enteignungen von Wohnraum erteilte Föst dagegen eine klare Absage. „Wenn man möchte, dass kein neuer Wohnraum mehr entsteht, dann kann man so etwas machen. Dann ist die Miete zwar günstig, aber die Kollateralschäden wie soziale Selektion oder Obdachlosigkeit wären gravierend“, meint der Liberale.

Das mietfreie Wohnen im Alter ist für FDP- Kreis- und Gemeinderat Walter Renn aus Oberstdorf ein elementares Instrument im Kampf gegen den Wohnraummangel. „Wir müssen es schaffen, dass sich mehr Leute den Traum vom Eigenheim erfüllen, anstatt bis ins hohe Alter teure Mieten zahlen zu müssen. Dies wäre ein echtes Mittel gegen Altersarmut. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern hat Deutschland eine erschreckend geringe Eigenheimquote. Diese liegt bei ca. 50 %. In Griechenland oder Italien liegt diese bei 80 – 90 %. Auf der anderen Seite muss man auch flexibel und offen für Veränderungen bleiben. Ein Haus kann im Alter schnell zu groß und zu aufwändig werden. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung kann für eine junge Familie schnell zu klein werden. Aus diesem Grund setzen wir uns im Kreistag für die Einführung einer Oberallgäuer Wohnungstauschbörse ein, um die Bedarfe transparent zu machen ggf. zusammenzubringen“, so der Oberstdorfer.

Abschließend wurde noch die Problematik der Zweit- und Ferienwohnungen im Allgäu sowie ihren Einfluss auf den lokalen Wohnungsmarkt diskutiert. Dabei stellte Michael Käser, Kreisvorsitzender und Kreisrat der FDP Oberallgäu fest, dass Ferienwohnungen für die Region unverzichtbar seien: „Viele Häuslebauer brauchen die Einnahmen aus der Vermietung nicht nur zur Baufinanzierung, sondern auch zur Altersvorsorge. Auch die Allgäuer Gastgeberlandschaft wäre ohne die Ferienwohnungen eintöniger.“ Bezüglich der Zweitwohnungen bestehe laut Käser allerdings deutlicher Handlungsbedarf: „Zweitwohnungen haben nicht nur den Nachteil, dass ihre Besitzer durch ihre Einkommenssteuer keinen Beitrag zur örtlichen Infrastruktur leisten, sondern durch sie auch die Schwierigkeit von Rollladensiedlungen besteht. Hier muss durch die Gemeinden steuernd entgegengewirkt werden. Das sage ich auch als Freier Demokrat.“